11 Monate nach der Geburt bin ich sowas von im Reinen mit meinem Körper. Der Kleine ist bei seiner Geburt aus meinem Körper geflutscht, ich war danach sofort wieder schlank und topfit, meine Bauchspannung war der Wahnsinn. Seit dem gehe ich immer perfekt geschminkt aus dem Haus, meine Frisur sitzt selbst mitten in der Nacht nach dem dreißigsten Mal Aufstehen, durch das Stillen habe ich nicht nur die paar überschüssigen Gramm schneller verloren, sondern meine Brüste sind dadurch auch noch prall und verleihen meinem Körper ein atemberaubendes Dekolletee – generell schaue ich immer aus, als wäre ich gerade einer Joghurt-Light-Werbung entsprungen. Nicht. Natürlich nicht. Wer immer diesen Mythos in die Welt gesetzt hat, der war nicht nur grausam, sondern hatte auch leicht manisch sadistische Züge! Ich stelle mir einen irre lachenden Joker vor.

 

Stattdessen ist es eher so, dass ich auch 11 Monate nach der Geburt noch an jedem Spiegel vorbei husche, um mich nicht auch noch damit auseinander setzen zu müssen, dass so überhaupt nichts so ist, wie ich das gerne hätte: Mein Bauch hängt schlaff herunter, mein Bauchnabel ist jetzt noch immer vollkommen deformiert und die Kaiserschnittnarbe hebt sich noch immer schwülstig von meiner Haut ab. Meine Brüste assoziiere ich eigentlich nur noch mit Eutern und haben für mich derzeitig die Erotik zweier Butterbrote und meine Augen betreiben Höhlenforschung in meinem Schädel und dringen in ungeahnte Tiefen vor. Last but not least sind meine Haare dünn geworden und die wenigen, die nachgewachsen sind, stehen mit ihren gerade einmal zwei Zentimeter in alle Richtungen zu Berge, so dass ich eher Ähnlichkeit mit einem in einen Schredder gekommenen Mob habe. Zu allem Überfluss habe ich noch ständig Hautausschläge an Stellen, die es zu verbieten gilt und meine Beine fühlen sich vom vielen Gehen und Tragen an, als würden sie dann mal ab den Knien ihren Geist aufgeben.

 

Ich bin sowas von nicht im Reinen mit meinem Körper und meinem Körpergefühl, dass ich jegliches Kompliment, das von meinem Partner dankenswerterweise immer wieder und immer öfter kommt, regelrecht nicht ernst nehmen kann. Ich habe mich in meinem bisherigen Leben noch nie so unsexy gefühlt, dass ich bei jeglicher Annäherung seinerseits am liebsten das Zimmer verlassen würde, die Worte schreiend „NEIN, GLAUB MIR BITTE, DU WILLST MICH SO NICHT SEHEN!“ Ein Paradoxon, denn ich bin mir sicher, das macht mich nicht gerade anziehender 😉

 

Ehrlich? Ich habe es mir leichter vorgestellt! Ich lese von Frauen, die es schaffen, mit ihren Babys diverse Sportkurse zu besuchen – ich bin nach einem Tag mit meinem Baby so fertig, dass mir Denken schon Sport genug ist, geschweige denn, dass es denkbar wäre mit meinem Baby gemeinsam einen solchen Kurs zu besuchen. Ich lese von Frauen, die durch das Stillen sofort enorm viel abnehmen und dadurch noch schlanker sind als vor der Schwangerschaft – ich nehme dankbar jedes Stückchen Schokolade, das mir in die Finger fällt (scheiß auf die Figur, solange ich irgendwie meine Energie über den Tag retten kann). Irgendwie hatte ich mir alles leichter vorgestellt, irgendwie hatte ich die wahnwitzige Fantasie, dass ich es schaffen würde, mich gesund zu ernähren, mein Training in einem hautstraffenden Maße wieder aufzunehmen und nebenbei noch ein wenig zu meditieren um meine innere Ruhe bei all dem Babystress nicht zu verlieren (Ok, letzteres war schon vorher eine Illusion). Stattdessen stelle ich mir jetzt immer und immer wieder die Frage: bin ich so unglaublich disziplinlos, dass ich all das nicht schaffe? Suche ich in meinem anspruchsvollen Baby eine Ausrede, mich nicht mit mir und meiner Körperwahrnehmung (und wenn diese schief liegt mit der Verbesserung der selbigen) auseinander setzen zu müssen? Oder ist es ganz normal, nach der Geburt erst einmal eine sehr lange Zeit zu brauchen, bevor man wieder zu sich selbst findet? Es muss nicht alles sein, wie vor der Schwangerschaft – mir ist durchaus bewusst, dass eine Schwangerschaft körperliche Höchstleistungen bedeuten, die manchmal auch einfach ihren Tribut fordern – aber ich würde mich wieder gerne im Spiegel betrachten können. Mich betrachten und denken: ja, das bin ich! Und nicht mich betrachten und denken: O GOTT, WIE SIND SIE IN MEINE WOHNUNG GEKOMMEN? Damit wäre ich schon durchaus zufrieden. Ernährung und Training, das wird sich irgendwann von ganz alleine wieder einpendeln, die Liebe zu meinem Körper, die Akzeptanz zu meinem Körper jedoch, das muss ich erst wieder lernen und ich hätte nie im Leben geglaubt, dass dieser Lernprozess ein so langer sein würde!

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