Dies ist ein Beitrag zur Blogparade #Schreckmoment, die vom elternkram.blog ins Leben gerufen hat. Eine wunderbare Aktion, die Gefahrensituationen aufzeigt und somit hoffentlich den Lesern hilft, ähnliche Situationen schnell zu erkennen und zu vermeiden. Der folgende Artikel beschreibt einen Moment, in dem wir tatsächlich mit dem Schreck davon gekommen sind und wirklich nichts passiert ist, doch ich möchte, da mich dieser Moment sehr fassungslos zurück ließ, trotzdem ein paar Zeilen darüber schreiben:

Kennt ihr sie? Diese idyllischen Straßenalleen, die an diversen hübschen Villen vorbei führen? Wo man wunderbar spazieren gehen kann, weil es schön ruhig ist und man sich wunderbar vom Grün umgeben fühlt: straßenseitig stehen Bäume, hausseitig schwingen sich diverse Hecken um wunderschöne Häuser und in der Mitte der Bürgersteig, der einen durch dieses besondere Stadtviertel führt.

Symbolbild

Solch eine Straßenallee gibt es in der Nähe meiner Wohnung. Sie ist Teil meines täglichen Spaziergangs, den ich jeden Morgen mit meinem Kleinen mache. So auch am 4. April. Es war ein wunderschöner, sonniger Morgen. Die Luft war kalt, klar, sehr frisch, wunderbar belebend. Mein Kleiner im Kinderwagen schön warm eingepackt, kurz davor, zu seinem Morgenschläfchen weg zu schlummern. Ich freute mich über das Vogelgezwitscher, genoss die Sonnenstrahlen, die durch die gerade wieder sprießenden Baumkronen blinzelten und zack! kam da plötzlich ein Auto aus einer der Villengaragen heraus geschossen. Und ich meine hier nicht ein vorsichtiges Anfahren und die Mami hats eben verträumt. Nein. Ich meine wirklich eine vollkommen uneinsehbare Garage, aus der plötzlich ein Auto geschossen kam. Reflexartig zog ich den Kinderwagen zurück – zum Glück, sonst hätte es den Kinderwagen voll erwischt. Wäre ich nur wenige Zentimeter schneller unterwegs gewesen, hätte ich nicht mehr reagieren können und das Auto  hätte den Kinderwagen gerammt. Der Fahrer schaute mich durch das Seitenfenster böse an. Als ob es meine Schuld gewesen wäre, dass ich durch seine Aktion mit dem Kinderwagen fast in die Seite seines Auto reingelaufen wäre. Ihn interessierte es allerdings nicht lange und er fuhr weiter. Ich blieb fassungslos und fast starr vor Schreck zurück und versuchte meinen Atem wieder zu normalisieren. Der Dialog in mir lief ungefähr so ab:
„Nimm dein Handy raus! Mach ein Foto von dem Nummernschild! Ruf die Polizei!“

„Ja, und dann? Was willst du der Polizei erzählen? Ist ja nichts passiert, beweisen kannst du nichts und übrig bleibt dann wahrscheinlich nur die hysterische Mutter!“

„Ja aber, der hat fast den Kinderwagen erwischt, dem Baby hätte sonst was passieren können! Wärst du nur ein wenig schneller gewesen, hättet ihr wahrscheinlich erst mal die Rettung rufen müssen!“

„Ja, ich weiß. Und wenn ich ein Kind auf dem Fahrrad gewesen wäre, wäre ich einfach über die Motorhaube geflogen … und ein Kind auf dem Laufrad hätte er voll erwischt …“

Der Gedanke machte mich demütig und traurig. Eben noch zuvor hatte ich eine Mutter mit ihrer Tochter gesehen – beide auf ihrem Roller. Die Mutter ermahnte ihre Kleine „Aber nur bis zur Straße fahren, dort wartest du auf mich!“ und die Kleine stürmte los. Auch die hätte es voll erwischt.

Muss ich auf einem Bürgersteig wirklich damit rechnen angefahren oder gar überfahren zu werden? Ich war wütend, ich war schockiert, ich fühlte mich machtlos und suchte nach einem Fehler in meinem Verhalten. Was habe ich falsch gemacht, was hätte ich besser machen können, was hätte ich wissen müssen?

Ich sehe die Schuld beim Fahrer des Autos. Er hat die Pflicht, wenn er aus seiner Garage fährt, darauf zu achten, dass er niemanden anfährt und sich vorsichtig aus seiner Aus-/Einfahrt zu schieben und sicher zu stellen, dass auf dem Bürgersteig, den er kreuzen muss, niemand zu Schaden kommt und er rechtzeitig von allen gesehen wird. Noch dazu bei einer Garage, die so dermaßen uneinsehbar und zugewachsen ist, wie diese. Ich bin den Weg seither mehrere Male gegangen und musste leider feststellen, dass das Garagentor tatsächlich erst zu sehen ist, wenn man unmittelbar davor steht.

Doch was nutzt es mir oder der Gesundheit meines Kindes, dass im Falle des Falles der Fahrer Schuld hätte? Einer der weisen Sätze meiner Eltern: was hilft es dir, dass der andere Schuld hat, wenn du im Krankenhaus liegst? Also sind Präventivmaßnahmen angesagt!

Was bedeutet das für mich konkret für jetzt und für die Zukunft:

  • Ein Bürgersteig ist kein sicherer Ort – Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sind dort ebenso gefordert, wie beim Überqueren einer Straße
  • Das Verhalten beim Überqueren einer Straße unterscheidet sich nicht wesentlich vom Überqueren einer Ein- und Ausfahrt
  • Bei Straßen mit uneinsichtigen Ein- und Ausfahrten gilt für mein Kind später: es darf mit einem Fahrrad/Laufrad/Roller nicht über eine Ein-/Ausfahrt hinaus voraus fahren (da müssen meine vorgegebenen Haltepunkte klar genug sein, damit das Kind sich auskennt – die Aussage „halte vor der nächsten Einfahrt“ wird wohl nicht verständlich sein)
  • Bei unbekannten Straßen gilt Ähnliches wie beim Schwimmen in unbekannten Gewässern: vorsichtig erkunden und mit voller Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, vorausschauend gehen, uneinsichtige Stellen im Auge behalten

So hübsch diese Alleen auch sind, so gerne ich dort auch spazieren gehe, so ist es eben doch kein abgeschlossener und vom Verkehr befreiter Bereich – es ist kein Park, es ist kein Spielplatz. Es ist ein Bürgersteig, der an verschiedenen Stellen von Autos gekreuzt wird. Dass das Auto viel zu schnell war und ich somit Glück hatte, nicht erwischt zu werden, ist für mich unbestritten, aber ich selbst hätte offenbar sehr viel aufmerksamer sein müssen.

Gott sei Dank ist nichts passiert! Danke, danke, danke, liebe Schutzengel!

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