Der Kleine schafft mich! Ich hätte nie gedacht, dass mich irgendwas in diesem Leben so schaffen könnte und dann kommt dieser kleine, süße, ständig lächelnde Fratz daher und ich bin fix und fertig und seit Jahreswechsel ist bei mir die Luft total draußen. Gerade einmal sieben Monate alt und meine Energie ist vollkommen aufgebraucht und ich sehne, sehne, sehne mich nach Ruhe und mindestens einer Woche Schlaf.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht allein, Papa greift mir tatkräftig unter die Arme, Papa übernimmt Nächte und Teilnächte für mich, damit ich endlich mal wieder etwas Schlaf bekomme, Papa ist immer da und hilft und unterstützt mich und ich bin jeden Tag glücklich und dankbar, dass der Kleine gesund ist und einfach seine immer größer werdende Welt entdecken – möchte mit allem was dazu gehört: Steckdosen, der heiße Ofen, Ladekabel, die Toilette und mitten in der Nacht dient das Bett auch gerne mal als Spielwiese um auseinander genommen zu werden. Mein kleiner Floh! Er soll die Welt entdecken, er soll sie gerne einmal auseinander nehmen und wieder zusammensetzen – doch ich würde es bevorzugen, wenn er mal fünf Minuten lang nicht versuchen würde sich umzubringen. Also springe ich tagtäglich, vierundzwanzig Stunden am Tag hinter ihm her und versuche minütlich aufs Neue, ob er „Nein“ vielleicht jetzt doch schon versteht.

Und dann, dann kauere ich während seines Mittagsschlafs in einer Ecke, bin fast eingeschlafen und Papa fragt „warum bist du so groggy?“ und ich möchte schon wieder aus der Haut fahren, bin aber viel zu erschöpft dafür. Ich verstehe schon, was er meint. Er meint: „Ich habe mich die letzten Nächte überwiegend um den Kleinen gekümmert, damit du einige Stunden Schlaf am Stück bekommst – hat das noch keine Wirkung gezeigt?“ Doch es sind ja nicht nur die Nächte, die anstrengend sind, die mich Energie kosten und mich schlauchen. Es ist verdammt viel Wert, ein paar Stunden am Stück zu schlafen – aber das genügt nicht um den Akku nach sieben Monaten Dauerbetrieb wieder soweit aufzuladen, dass sogar noch Energie übrig bleibt. Leider sind Gedanken wie „verdammt, ich sollte doch noch so viel machen und es kann doch nicht sein, dass ich schon wieder so fertig bin und das Gefühl habe nur schlafen zu können“ ebenfalls echte Energiekiller und damit fühle ich mich gleich noch mal ein Stückchen leerer, möchte einmal mehr die Decke über meinen Kopf ziehen und spüren wie mich wohliger und heilsamer Schlaf erfasst. Doch selbst wenn ich das gerade machen könnte, würde ich statt zu schlafen gedanklich weiter meine To-Do-Liste füllen, Sätze und Textversätze formulieren und eben alles andere tun als zuzulassen, dass mich wohliger Schlaf überkommt.

Wie soll das nur weiter gehen?

Ich weiß, was noch so alles auf mich zukommen wird, welche Entwicklungsphasen, die nun einmal dazu gehören bei so einem kleinen Baby, bei Kleinkindern und Kindern und bin schon beim Gedanken daran fix und fertig. Ich stelle mir meinen momentanen Zustand vor plus zwei Jahre vor, ich und mein Kleiner im Supermarkt, er kriegt den Trotzanfall und gebe schon w.o. – ich ertappe mich jetzt schon dabei, aus mangelnder Energie zu sagen: dann nimm halt diesen scheiß, verfickten Schokoriegel und lass mich endlich in Ruhe! (Aus dem Kindergarten! Die Worte hat er aus dem Kindergarten!) Danke, liebe GeDANKEn, sehr hilfreich! So unglaublich motivierend und positiv eingestellt, wie ich nun einmal bin – je müder, desto mehr.

Immer wieder ertappe ich mich auch dabei, andere Mütter zu beobachten und mich zu fragen: wie macht ihr das nur? Ich sehe eine Mama mit zwei Babys – wie um Himmels willen kannst du noch laufen vor lauter Erschöpfung. Ich sehe eine Mama mit Zwillingen in einem Café – wie zur Hölle hast du es geschafft, die zwei zu wickeln, anzuziehen und hier her zu bringen, beide GLEICHZEITIG? Und ich bin ehrlich neugierig: wie machen die das? Da geht es nicht um Vergleiche ziehen, eher um Inspiration, um „ich will das auch können!“ Wie man auch den besonders leckeren Kuchen der Freundin nachbacken möchte und nach dem Rezept fragt. Doch gäbe es für meine Situation ein Rezept, so wüssten es bereits alle und der Erfinder wäre sehr, sehr reich damit geworden und hätte den Friedensnobelpreis dafür erhalten. (Wie viele Ehekrisen, wie viel Zoff mit den kleinen und großen Kindern, wie viele Streitereien mit den Freunden und anderen Müttern würde dieses Rezept wohl verhindern?)

Da es so ein Rezept nicht gibt, sollte ich mich also wieder auf mich, meinen kleinen Rabauken, meine kleine Familie besinnen! Wie viele schwierige Situationen haben wir schon gemeistert! Anfangszeiten, in denen er nur geschrien hat; Stunden, Tage, Wochen in denen er nur getragen werden wollte … Und jetzt kann er endlich krabbeln, steht an Bücherregalen und Stühlen, kann endlich seine Welt mit seinen Augen entdecken, staunt über jede Kleinigkeit und freut sich über die Welt, die mit ihm Faxen macht. Wir haben schon viel geschafft! Mir das so vor Augen haltend bin ich auch ein kleines bisschen stolz auf uns und versuche mich in all meiner Erschöpfung auf das Jetzt zu konzentrieren und mich nicht in detaillierte Zukunftsängste zu verstricken: was kommt das kommt und wir finden eine Lösung wenn es kommt.

Leider war ich noch nie sonderlich gut im JETZT-leben. Leider bin ich ein Paradebeispiel für Der-Vergangenheit-nachtrauern-und-vor-der-Zukunft-Angst-Haben anstatt den Zustand JETZT mit allen Sinnen wahrzunehmen und vielleicht sogar zu genießen. Ich werde das also üben – mit tiefen Augenringen und vernebeltem, müden Hirn, aber ich werde das üben, um nicht ständig in einen Strudel von GeDANKEn zu geraten, die mir noch mehr Energie entziehen. Stattdessen sind meine Strohhalme sein wundervolles Lächeln, Umarmungen meines Freundes, Kuscheleinheiten als Familie – wunderschöne Erlebnisse, die mich durch den Tag retten, an die ich mich in anstrengenden Minuten und Stunden klammere in denen ich glaube, es geht, geht, geht einfach nicht mehr. Kleine Glücksmomente, die meiner Seele gut tun. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann gibt es Schokopudding – immerhin dafür gibt es Rezepte 😉

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